„Verhaftet sie!“
Ein Satz, der in Kommentarspalten erstaunlich schnell fällt.
Sobald Menschen wütend sind, rufen sie nach Strafe.
Nach Polizei.
Nach Gerichten.
Nach Gefängnis.
Nach Durchgreifen.
Nach genau dem Apparat, den sie an anderer Stelle angeblich kritisieren.
Aber wer soll denn verhaften?
Die Staatspolizei?
Wer soll verurteilen?
Das Staatsgericht?
Wer soll einsperren?
Das Staatsgefängnis?
Und wer soll bestimmen, nach welchen Regeln?
Der Gesetzgeber?
Also wieder derselbe Apparat, der zuvor das Problem geschaffen, gedeckt, verschleppt oder verwaltet hat?
Viele Menschen wollen keinen freien Rechtsbegriff.
Sie wollen nur, dass der Staat endlich die „Richtigen“ trifft.
Der Staat soll den Staat treffen.
Das ist keine Freiheit.
Das ist nur autoritäres Denken mit wechselnder Zielscheibe.
Wer Herrschaft ablehnt, kann nicht jedes Mal nach Herrschaft rufen, sobald ihn jemand genug aufregt.
Wer das Gewaltmonopol kritisiert, sollte nicht im nächsten Satz fordern, dass genau dieses Gewaltmonopol seine Feinde beseitigt.
Leute kritisieren den Staat und fordern gleichzeitig seine Werkzeuge.
Natürlich brauchen Menschen Schutz, Wiedergutmachung, Verteidigung und gerechte Konfliktlösung.
Aber das ist nicht dasselbe wie dieser blinder Strafreflex in anerzogenen Strukturen.
Recht ist nicht Rache.
Gerechtigkeit ist nicht Staatsgewalt mit Applaus.
Und Freiheit entsteht nicht dadurch, dass man den Käfig nur für andere Menschen reserviert.
Der entscheidende Punkt ist nicht:
„Wie bringen wir den Staat dazu, die Richtigen einzusperren?“
Der entscheidende Punkt ist:
„Warum hat überhaupt irgendein Apparat ein Monopol darauf, Menschen zu verfolgen, zu verurteilen und einzusperren?“
Solange Menschen bei jedem Problem nach Polizei, Gericht und Gefängnis rufen, haben sie Herrschaft nicht überwunden.
Sie haben nur eine Wunschliste für bessere Herrscher.
Werdet
@Unregierbar